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Miki's Blog

04. Juli 2008 11:17

Beten

Beten ist gut. Niemand würde auf die Idee kommen zu sagen, beten wäre schädlich oder ungesund. Beten ist gut und Menschen aller Religionen beten. Ganz verschiedentlich, aber immer zu einem (etwas), das über uns ist, stärker und mächtiger ist. Jesus - zu dem ich bete - hat selbst gebetet. Früh am Morgen (Mk 1,35) und Abends (Mk 6,46), wenn er Angst hatte (Lk 22,41), bei seiner Taufe (Lk 3,21), für andere (Joh 17) und, und, und...

Nun, auch wenn uns auch klar ist, dass es gut ist, stehen viele von uns manchmal (oder auch oft bis permanent) vor dem Problem, nicht beten zu können. Keiner sagt, dass es nicht wichtig ist - aber was, wenn ich es nicht kann? Ich stehe morgens auf und fühle mich, als wäre ich gerade aus 9 Jahren Koma erwacht, mein Hirn ist auf standby geschaltet und mein Körper ist im Streik, die Augen flehen mich an, geschlossen zu bleiben. Die Nacht davor war lang, oder kurz, wie auch immer - ich habe wenig geschlafen. Auf der PS3 habe ich noch vor ein Paar Stunden 487 Menschen erschossen - die Trefferquote lag bei 87%, nicht schlecht - anschließend gab es eine Wiederholung von diesem Thriller, wie hieß er noch mal, der Typ mit der Maske, der gerne Menschen verspeist, auch egal, irgendwann, vorhin bin ich ins Bett, ich kann mich an ein kurzes "Lieber Jesus" erinnern, aber dann kam meine Freundin in meinen Träumen vorbei...

Beten? Wie denn? Mit welchen Worten und welchen Bildern vor meinem Auge? Aber nicht bei jedem ist die Diagnose "akute Gehirnüberlastung durch spannenden Müll" gestellt. Was ist, wenn ich einfach nicht kann, weil ich die Kraft dazu nicht habe? Was ist, wenn ich so gebrochen bin, dass Gott der letzte ist, vor den ich jetzt treten möchte? Was ist, wenn ich so schuldig bin, dass ich nicht daran glauben kann, dass Gott es mir je vergeben wird?

Weißt du, die ehrlichste Antwort wäre: Ich weiß es nicht. Jede eurer Geschichten ist so einzigartig und für sich so kompliziert, dass es schwierig ist, Rezepte fürs Gebetsleben-aufleben zu geben. Aber, dass man dazu nichts sagen könnte, stimmt auch nicht - daher versuchen wir es trotzdem mal:

1. Wer ist Gott für dich?

Ob du Lust zu beten hast, hängt sehr stark davon ab, wer Gott für dich überhaupt ist. Sollte er der streng schauende Langbart sein, der sich selbst nie verzeihen konnte, dass er bei der Schöpfung einen Fehler machte, es seit dem an uns (siehe Hiob) auslässt - dann verstehe ich, dass du lieber im Bett bleibst.
Wenn er der Gott der Deisten (ich musste mal ein Fachbegriff bringen - Wikipedia erlärts euch) ist, der uns mal geschaffen hat, sich dann verabschiedete und ins Nimmerwiedersehensland verschwand, uns hier zurück ließ mit all den Fragen und Schmerzen - dann verstehe ich, dass du nicht mit ihm reden willst.

Aber er ist nicht so. War er übrigens noch nie. Er ist weder wie unsere Väter, noch wie (d)ein Pastor noch wie Schwester X aus Reihe 4, dritter Stuhl von links (und das seit 32 Jahren) , noch wie irgend ein Mensch, dem du je begegnet bist. Schon garnicht wie jemand, der dir permanent das Gefühl gibt, dass du schlecht bist und er gut ist. Er ist besser. Gott ist nie beleidigt. Gott ist nicht nachtragend. Gott hat keinen schlechten Tag und ihm rutscht die Hand nicht aus. Er ist nicht dement, noch kann ich hinter seinem Rücken einen dummen Scherz machen. Gott durchschaut mich. Er ist absolut modern und up to date. Die neuste Band auf dem Musikmarkt? Er kennt sie schon - er hat die Musiker geschaffen. Das neuste Spiel? Er hat den Programmierer designt. Die neuste Mode? Er hat den Mann geschaffen, der die Schere erfunden hat. Komm schon...! Gott lacht. Manchmal über mich, manchmal mit mir. Er riecht richtig gut und hat einen ausgeprägten Sinn für Ästhetik und Humor. Er macht sich Sorgen um mich. Gott "feuert" (im Sinne von sportlicher Unterstützung) mich an. Gott ist nicht wie wir. Er ist besser - und er liebt jeden Menschen. Dich ganz besonders.

Vielleicht empfindest du nicht so, aber du kannst dich entscheiden, es so anzunehmen. Vielleicht hast du Gott so vorgelebt bekommen, so dass es für dich keinen Sinn macht, mit ihm zu reden, weil er dir Angst macht oder dir wie ein unflexibler und willkürlicher Despot vorkommt - aber wenn du mal in der Bibel nachliest, wie er wirklich ist - dann glaube ich, dass das Interesse, das Verlangen nach einem Gespräch mit ihm größer sein kann.

2. Ortswechsel

Wenn du dich entschieden hast zu glauben, dass Gott weder ein Drillinstructor noch ein unpersönliches Uhrwerk, dann solltest du darüber nachdenken, den Ort deines Gebetes zu verändern. Direkt am Bett ist die denkbar schlechteste Position, um ein Gespräch mit Gott zu führen. Anfangs kniet man, nach 45 Sekunden stützt man sich auf die Ellenbogen ab, noch 50 Sekunden und das Gesicht berührt die gemütliche Decke, noch weitere 60 und der Oberkörper liegt auf dem Bett, noch 50 und alles ist schwarz, aus dem Mundwinkel Sabber. Das Gebet dauerte insgesamt 205 Sekunden, 204 davon waren Positionierungsmanöver.

Also, folgender Vorschlag. Bitte nicht sofort die Internetverbindung kappen, ich meine es ernst. Bei www.wetter.de schaust du nach, wann die Sonne in deiner Region aufgeht. In München dieser Tage gegen 05:20. Stell dir einen Wecker um 04:50, o.k. wir wollen nicht übertreiben, wir stellen den Wecker auf 04:55. Dann die schlimmste aller Überwindungen - das (kalte) Duschen. Dann eine Banane, Zähne putzen (damit du nicht von den Essensresten abgelenkt wirst), dann anziehen, und ab auf den Balkon, zu dem See in der Nähe, auf den Spielplatz, Wiese, Dachterasse - einfach irgendwo anders hin. Such dir deinen Platz, setzen kannst du dich auch, oder eine Runde spazieren,  und dann sag einfach: "Hallo Jesus!", dann hör einfach zu - absolute Stille - dann dauert es nicht mehr lange, du wirst Mühe haben, deine Gedanken einzufangen und zu sortieren, so viele werden es sein. Es ist mittlerweile 05:50 - du hast mit Jesus gesprochen, 0,5 Stunden, vielleicht mehr, als in der ganzen letzten Woche. Es war schön. Es ist 06:00. Du legst dich wieder hin - du hast noch eine ganze Stunde zum schlafen.

3. Lebensstil

Um heute ein betender Mensch zu sein, muss man sein Lifestyle besonders gestalten. Dass wir unseren Lifestyle im Leben oftmals ändern, dass liegt auf der Hand. Du hörst auf, Student oder Azubi zu sein, die Arbeit fängt an - das Leben ändert sich. Du bekommst ein Kind - das Leben ändert sich. Deine Eltern lassen sich scheiden und du musst umziehen - das Leben ändert sich. Du wirst krank - das Leben ändert sich. Du versuchst 10 Kilo abzunehmen - das Leben ändert sich aber so was von... Wie wäre es mal, wenn wir unser Leben ändern würden, ohne, dass uns die Lebensumstände dazu zwingen müssen. Ich glaube, dass wenn man wirklich ein betender Mensch sein möchte, dass man dann anfangen muss, über sein Leben(sablauf) nachzudenken.

Viele denken immer, dass es ein großer Verzicht ist, wenn ich wirklich mit Gott leben möchte. Beten ist gleich Mönchskutte und nie wieder Deo. Wieso denn? Quatsch, sage ich. Ich muss mein Auto nicht verkaufen, nur weil ich mir vorgenommen habe, mich zum Bäcker ab jetzt mit meinen Füßen zu transportieren. Ich muss meinen TV nicht verbrennen, nur weil ich mir vorgenommen habe, mir den Wecker manchmal um 05:00 zu stellen. Ich muss nicht erst bezahlen, um zu bekommen.

Du bist intelligent, du weiß genau, was dich daran hindert, mehr mit Gott zu reden. Du weißt, was deinen Kopf zupflastert, so dass du nur für einen Satz pro halbe Stunde empfänglich bist. Ich weiß, manchmal ist es schwer, seinen Lifestyle zu ändern - versuch es aber mal - du wirst Gott persönlich erleben. Gott (!) , Mann, ich rede von dem einen richtigen, wahren, großen, gütigen, allmächtigen, mit Sternen jonglierenden, auf Milchstraßen surfendem Schöpfer, Erlöser, Retter. Unglaublich, oder?

Beten ist gut.

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