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Miki's Blog

07. Juli 2008 21:37

Wenn ich ein Flüchtling wär

Flüchling aus Afrika

Stell dir vor, du hättest sein Schucksal...

Stell dir vor, es ist Nacht, du schläfst tief und fest. Durch einen lauten Knall wirst du aus dem Schlaf gerissen. Du schnellst nach oben und aus dem Fenster siehst du, dass das Nachbarhaus in Flammen steht. Du bist hellwach und all deine Sinne arbeiten unter Volldampf. Du weißt, du wirst heute Nacht sterben. Es ist Krieg in deinem Land und der Tod ein guter Bekannter. Aber du hast Glück, heute Nacht ist es noch nicht so weit – du darfst weiter leben – du wirst „nur“ Flüchling.

Du wirst aus dem Haus geworfen. Alles was du jetzt noch hast ist dein Schlafanzug, den du anhast und ein gehörige Portion Todesangst. Deine Papiere, dein Geldbeutel, dein Handy, deine Festplatte, deine Schuhe, deine Familienfotos – deine Eltern. Alles bleibt und brennt. Du rennst schnell, bis die Lungen brennen. Wohin? Erstmal den anderen hinterher.

Solltest du es bis zu einem Flüchtlingscamp schaffen, um dich dort auch registrieren zu lassen, dann wirst du in den Statistiken des „Internal Displacement Monitoring Centre“ (IDMC) in Genf, der internationalen Flüchtlingsbehöre gelistet, aber von ihnen nicht gerettet – du erscheinst im Jahresbericht, der dann sagt, dass du ein „Binnenflüchtling“ bist, weil du die Grenzen deines Landes noch nicht verlassen hast. Du bist einer von 26 Millionen im letzten Jahr – weltweit.

Was dann geschieht ist ein endloser Weg, gepflastert mit Demütigungen, Verzweiflung, Ängsten, Wut, Zorn und Fragen. Wenn es ganz schlimm kommt, dann bist du eine der armen Seelen, die Hunger leiden müssen.

Millionen von Kindern und Jugendlichen in unserem Alter leben in Flüchtlingscamps, wie Tiere, unter den schlimmsten Bedingung, die man sich nur vorstellen kann. Kein Wasser, kein Klo, keine Medizin, kein Bett -  Müller Milchreis? Cheseburger? Die neusten Nike Shocks? iPod, PS3, Auto, Starbucks? Träum weiter! Aber sie haben auch Träume, wie wir. Sie lieben Manchester United, finden Will Smith cool, hören 2Pac und wissen, was ein iPhone ist. Sie sind wir wir – sie hatten nur Pech, dass sie an einer anderen Stelle geboren wurden. Auf dem selben Planeten, aber auf einer anderen Welt. Und dann steigen sie in klapprige Boote, verkaufen ihre Seelen an Menschenschmuggler, und fahren los. Lieber sterben, als in diesem Loch bleiben. Manche kommen an, viele nicht.

Während ich das hier schreibe, schaue ich in meinen Sony Flachbildschirm, den Dell Laptop lasse ich heute in seiner Hülle, mein Filofax Terminplaner steht offen, darauf mein Handy mit einer 3.2 Megapixelkamera, an meiner Hand eine schöne Uhr eines italienischen Modehauses, mein T-Shirt kann man mit „Chef“ übersetzen – auf dem Tisch ein Pfirsich Shake, den meine Frau mir gemacht hat – unten in der Küche, in der auch ein Thermomix steht, den wir nie benutzen. Unten, weil ich ja oben bin, in meinem Büro. Ich habe einen tollen Blick auf meinen Garten.

In dem selben Augenblick rennt gerade ein junger Mann um sein Leben. Ein anderer versteckt sich irgendwo im Keller und betet, dass das seine Babytochter in seinen Armen nicht schreit – und sie alle nicht verrät. Ein anderer sitzt jetzt schon seit 12 Stunden mit 100 anderen in einem kleinen Boot, ohne Essen und frische Luft, in der Hoffnung, in Spanien anzukommen – mein Pfirsich Shake schmeckt phänomenal.

Schon in der Bibel sind Flüchtlinge bekannt. Krieg war schon immer ein Mittel zum Zweck - lediglich die Vorzeichen und die Motivationen unterschieden sich. Auch damals gab es Angst, weinende Kinder, brennende Häuser und Tod - unabhängig davon, ob ein "Kreuzzug" gerechtfertigt war oder nicht. Zuflucht unter Gottes Schirm, seinem Schatten, seinen Fittichen ist real, aber nicht (jetzt schon) universal. Auch damals starben Unschuldige. Seit es Menschen auf dieser Welt gibt und seit dem sie nicht so funktioniert, wie sie sollte, gibt es Menschen, die in Boote zusammengepfercht werden und Leute, die Pfirsich Shakes trinken. Seit es die Sünde gibt, gibt es Ungerechtigkeit. Wir haben das Glück, auf der Sonnenseite zu leben.

Aber eines schönen Tages wird die Zeit kommen, in der sich diese armen Seele sicher fühlen werden. Die Bibel beschreibt eine Welt ohne Visum, ohne Flüchtlingscamps, ohne Asylanträge und Abschiebung. Eine Welt, in der alle Menschen wirklich gleich sind und nicht durch Herkunftsland verschiedene Wertigkeiten erfahren. Eine Welt, in der Geld nicht existiert. Eine Welt, in der 1.000.000 getöteten Hutus und Tutsis genauso viel Beachtung geschenkt wird, wie 3000 New Yorkern. Und wenn du für dich nicht glauben kannst, dann glaub wenigstens für diese armen Menschen, die hier nie etwas haben werden. Also bleiben wir demütig und dankbar - eigentlich das einzige, was uns übrig bleibt.

"Wir warten aber auf einen neuen Himmel und eine neue Erde nach seiner Verheißung, in denen Gerechtigkeit wohnt."                              2.Petrus 3,13


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