Miki's Blog
20. August 2008 08:25
Das leben ist ein kalter wilder Fluss
In diesem Sommer war in ich in den Pyrenäen (bergmassiv zwischen Spanien und Frankreich) und es war beautiful. Ich etwickel´ mich immer mehr zum Bergmenschen. Ein WildWasserRafting Tour war auch auf dem Programm und so saß ich mit 7 Leuten im Gummiboot, mit dem Paddel in der Hand und der Rettungsweste über den Schultern und einem Sack voller Vorfreude auf die vielen wilder Stromschnellen, die wir gemeinsam bezwingen sollten.
Nur als Team kommt man ins Ziel, sagte man uns. Der Guide - eine Bob Marley Gedenkfigur mit viel Metall im Gesicht und Dreads bis zu den Kniekehlen - erklärte uns, dass man nur als gut funktionierendes Team gut und sicher ins Ziel kommen würde. Das stimmte auch. Eine Demonstation folgte der anderen. Wenn wir gemeinsam in einem Rhythmus paddelten, dann bewegte sich das Boot viel schneller, als wenn jeder seinen eigenen Rhythmus wählte.
Irgendwann passierte es. Das Boot neigte sich zu stark und ich fand mich Mitten in einer Stromschnelle im tiefen Wasser. Das Wasser stand mir bis zu Hals und einen halben Meter darüber hinaus. Die Rettungsweste ist zwar angelegt ,aber die arme hatte mit einem Zehntel einer Tonne zu kämpfen und so gehe ich erstmal unter. Ein, zwei Sekunden Orientierungslosigkeit und dann die Panik vor Felsen, an denen man sich anstoßen, aufschlitzen oder sich was brechen kann. Irgendwie schaffe ich es, mich an einem Felsen festzuhalten. Eine Sekunde später packt mich jemand von hinten an der Weste und zieht mich ruckartig und mit Gewalt zurück ins Boot. Es ist vorbei. Ich bin gerettet.
Unglaublich, denke ich. Wie kann ein so kleiner Mann, eine so großen, so leicht ins Boot ziehen. Ich hätte es nicht für möglich gehalten. Und doch war ich froh, denn die Stromschnelle schwimmend zu bewältigen birgt zu viele Gefahren in sich.
Das Leben ist ein kalter wilder Fluß. Zu (über) leben bedeutet, im Boot zu bleiben. Dabei denke ich nicht an die Arche, die behäbig hin und her schaukelt. Wir sitzen in schnelleren Booten. Wir haben einen Verstand und wir haben Paddel, um zu lenken, gegenzusteuern und zu beschleunigen. Aber was ist, wenn wir mal untergehen. Und wir gehen alle mal unter. Machmal wird es einfach zu wild. Dann sind wir froh, wenn die Rettung da ist. Manchmal sind wir überrascht, wie die Rettung aussieht - aber alles was wir wollen - ist zurück in dieses Boot.
Jesus ist permanent damit beschäftigt, uns aus dem kalten Wasser zu ziehen. Ich liebe ihn dafür, dass noch nie der Moment gekommen ist, wo es ihm auf die Nerven gegangen ist, uns ständig hinterherzuschauen, um uns zu retten. Und machmal haben wir nichts besseres zu tun, als uns so weit aus dem Boot zu lehnen, bis der erste Felsen kommt. Wir experimentieren und irgendjemand sagte uns, dass das zum "Erwachsenwerden" dazugehört, a la heiße Herdplatte beim Kind. Na ja, haben sich wirklich alle Kinder dieser Welt verbrennen müssen, um zu erfahren, dass da etwas nicht gut für sie ist? Ich glaube nicht. Und wenn, dann gehe ich davon aus, dass wir aus dem Alter heraus sind, wo meine Vorstellungskraft nicht ausreicht, um mir auszumalen, was gut und nicht gut für mich und meine Entwicklung ist.
Was ich versuche zu sagen: bleib im Boot! Denn nur da wirst du die Schönheit einer Fahrt erleben. Der Guide hilft, der Guide ruft und rettet. Aber bleib im Boot.



